Die Carbon-Credit-Projekte der Mae Fah Luang Foundation verknüpfen den Schutz kommunaler Wälder mit Finanzierungen aus dem Privatsektor, Kohlenstoffmärkten und nachhaltigen Einkommensquellen.
Die Mae Fah Luang Foundation unter königlicher Schirmherrschaft intensiviert ihr waldbezogenes Programm für Kohlenstoffzertifikate als Teil eines umfassenderen Ansatzes, der kommunalen Naturschutz, Klimaschutzmaßnahmen des Privatsektors und nachhaltige lokale Einkommensentwicklung miteinander verbindet.
Im Zentrum der Strategie steht das 2021 gestartete Projekt „Carbon Credit Management in Forests for Sustainable Development“, das in Zusammenarbeit zwischen der Stiftung, staatlichen Behörden, lokalen Gemeinschaften und privaten Partnern umgesetzt wird.
Das Projekt wurde entwickelt, um den Klimawandel, Waldbrände sowie Dunst- und PM2.5-Belastungen zu adressieren, indem gut bewirtschaftete Gemeinschaftswälder in eine messbare Kohlenstoffspeicherleistung überführt werden.
Es basiert auf einem einfachen Prinzip: Bäume binden Kohlendioxid, viele thailändische Gemeinden schützen ihre Wälder bereits effektiv, und Unternehmen benötigen zunehmend glaubwürdige Instrumente zur Kompensation und Reduktion ihres CO₂-Fußabdrucks.
Im Rahmen des Modells fungiert die Mae Fah Luang Foundation als Vermittlerin zwischen lokalen Gemeinschaften und dem Privatsektor. Sie nutzt ihre Expertise in der Vermessung von Waldparzellen und der Bewertung von Kohlenstoffspeichern, um Gemeinden zu schulen, Wissen zu vermitteln und sie beim Aufbau systematischer Daten zur Kohlenstoffbindung zu unterstützen.
Dies ermöglicht den teilnehmenden Gemeinden die Vorbereitung auf eine Registrierung im freiwilligen Kohlenstoffmarkt Thailands über staatliche Kanäle. Unternehmen des Privatsektors leisten finanzielle Unterstützung und erhalten im Gegenzug Kohlenstoffzertifikate, die sie zur Erfüllung ihrer Emissionsreduktionsziele nutzen können.
Die Gemeinden erzielen dadurch zusätzliche Einkünfte aus der Bewirtschaftung und dem Schutz der Wälder, in der Regel über Dorffonds, die zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Fortführung des Waldschutzes eingesetzt werden.

Naturbasierte Lösungen treiben neue Strategie voran
Im Jahr 2026 hat die Mae Fah Luang Foundation eine umfassende strategische Neuausrichtung eingeleitet, um auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Veränderungen zu reagieren. Die neue Ausrichtung zielt darauf ab, Entwicklung nicht nur als soziale Mission zu verstehen, sondern auch als Teil eines marktorientierten Wirtschaftssystems, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Wiederherstellung natürlicher Ressourcen fördert.
Die Stiftung hat ihre Arbeit in vier zentrale Säulen neu gegliedert: Social Business, naturbasierte Lösungen, Nachhaltigkeitsberatung sowie gebietsbezogene Entwicklung. Jede Säule verfügt über eine klare Führungsstruktur und soll ein Ökosystem für Wissensaustausch, Projektentwicklung und nachhaltiges Einnahmenmanagement aufbauen.
Die Säule der naturbasierten Lösungen übernimmt nun eine führende Rolle bei der Umsetzung des Wald-Kohlenstoffzertifikate-Projekts. Ihre Aufgabe besteht darin, Unternehmenspartner mit Gemeinschaftsnetzwerken zu verbinden und die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor auszuweiten.
Zudem verfolgt die Stiftung eine „Parallelstruktur“-Strategie, bei der neue Teams und Mechanismen parallel zu bestehenden Strukturen aufgebaut werden, um Ergebnisse zu beschleunigen und Widerstände gegen Veränderungen zu verringern. Langfristig strebt sie an, ihre Entwicklungsarbeit international auszuweiten und dabei auf Erfahrungen aus Regionen wie Myanmar und Indonesien zurückzugreifen.
Verknüpfung von Märkten, Gemeinschaften und Wäldern
M.L. Dispanadda Diskul, Generalsekretär und Chief Executive Officer der Mae Fah Luang Foundation, erklärte, dass die organisatorische Neuausrichtung nicht nur eine strukturelle Veränderung darstelle, sondern auch einen Schritt hin zu einem neuen Entwicklungsmodell, das durch Marktmechanismen gesteuert wird.
Er betonte, dass der zentrale Grundsatz der Stiftung unverändert bleibe: Um Wälder zu pflanzen, müssten zunächst die Menschen entwickelt werden. Der Unterschied bestehe nun darin, dass die Stiftung bestrebt sei, diesen Ansatz landesweit auszuweiten und mit globalen Märkten zu verknüpfen.
Dies spiegele eine neue Rolle der Stiftung als „Intermediär einer Nachhaltigkeitsökonomie“ wider, der natürliche Ressourcen, Gemeinschaften und Kapital miteinander verbindet und sich zugleich als Modell für eine neue Form der Entwicklung in Thailand positioniert.

Thailändische Wald-Kohlenstoffzertifikate für den Weltmarkt
Ein zentraler Bestandteil des Ansatzes der Stiftung besteht darin, thailändische Wald-Kohlenstoffzertifikate auf den internationalen Markt zu bringen. Grundlage hierfür bildet ein Netzwerk von mehr als 300 Gemeinschaftswäldern.
Das besondere Merkmal dieses Modells liegt in der konsequenten Verknüpfung von Kohlenstoffbindung mit sozialen und gemeinschaftsbezogenen Aspekten – einem Kriterium, das in vielen internationalen Kohlenstoffmärkten bislang noch keine zentrale Rolle spielt.
Das Projekt „Carbon Credit Management in Forests for Sustainable Development“ umfasst derzeit mehr als 287.914 Rai Waldfläche (rund 46.066 Hektar) in 12 Provinzen. Daran beteiligen sich 303 Gemeinden, von denen mehr als 161.000 Menschen profitieren.
Für das Jahr 2026 plant die Stiftung eine Ausweitung der Projektfläche um weitere 100.000 bis 150.000 Rai (etwa 16.000 bis 24.000 Hektar). Langfristig wird eine Gesamtfläche von 1 Million Rai beziehungsweise rund 160.000 Hektar bis 2029 angestrebt.
Das Projekt erstreckt sich über verschiedene Waldökosysteme, darunter Bergregenwälder, sommergrüne Mischwälder, trockene Dipterocarp-Wälder sowie Mangrovenwälder. Durch diese ökologische Vielfalt sollen die Kohlenstoffspeicherung verbessert und zugleich nachhaltige Einkommensmöglichkeiten für jene Gemeinden geschaffen werden, die sich aktiv für den Schutz der natürlichen Ressourcen einsetzen.
Bislang wurden Kohlenstoffzertifikate aus 12 Gemeinschaftswäldern mit einer Gesamtfläche von 12.840 Rai (rund 2.054 Hektar) zertifiziert. Dies entspricht einer Einsparung beziehungsweise Bindung von 58.824 Tonnen Kohlendioxidäquivalent (CO₂e).
Darüber hinaus baut die Stiftung ihre internationale Zusammenarbeit kontinuierlich aus, um Finanzmittel unmittelbar an die lokalen Gemeinschaften weiterzuleiten und die bisherige Konzentration von Investitionen auf groß angelegte Projekte zu verringern.
Sollte sich dieses Modell erfolgreich etablieren, könnte es den Zugang thailändischer Wald-Kohlenstoffzertifikate zum internationalen Markt erheblich erleichtern und die natürlichen Ressourcen des Landes stärker in die globale Wirtschaft integrieren.
Für die lokalen Gemeinschaften eröffnet dieser Ansatz zugleich eine neue Form der gemeinschaftsbasierten Wirtschaft: Der Schutz der Wälder wird dabei nicht nur als ökologische Verantwortung verstanden, sondern entwickelt sich zu einer langfristigen und nachhaltigen Einkommensquelle.
